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« zurück zur Übersicht erschienen am 7. April 2004 in der Zürichsee-Zeitung

Nicht nur Retter in der Not

Herrliberg: Der VVH lud zur Generalversammlung mit Vortrag über die Seepolizei ein

In trübem Wasser nach Ertrunkenen zu fischen gehört ebenso zu den Aufgaben der Seepolizei wie Kontrollfahrten auf dem Zürichsee mit dem Motorboot. Diese Mischung aus belastender Arbeit und "Schoggi-Job" beschrieb Marco von Euw, Dienstchef der Seepolizei Oberrieden, an der Generalversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVH).

Antonia Baumann*

Die Aufgabe der Seepolizei ist es, die Sicherheit der Menschen, den Schutz der Gewässer sowie die Erhaltung von Erholungsgebieten und Natur zu gewährleisten. Zudem überwacht sie die Schifffahrt und die Fischerei. Bereits 1875 entstand in Zürich eine Schifffahrts-Ordnung, seither hat die Nutzung des Zürichsees stark zugenommen. 185 km Flüsse sowie 70 Quadratkilometer Seen und Weiher sind zu betreuen. Unterstützt wird die Seepolizei, die zur Kantonspolizei gehört, durch die Städtische Wasserschutzpolizei und die Seerettungsdienste der Ufergemeinden.

Such- und Bergungsaktionen

1944 gegründet und anfänglich noch in der Polizeikaserne in Zürich stationiert, erstand die Seepolizei bereits 1945 ein Boot. Bald wurde in Eigenregie ein spezielles Kranschiff für Bergungsaufgaben und ein Kameraschiff für Suchaktionen konstruiert und gebaut. 1975 konnte das Betriebsgebäude in Oberrieden eingerichtet werden. Der Einsatzradius der Seepolizei geht bis über die Kantonsgrenzen hinaus. "Wir machen auch Einsätze im nahen Ausland, wenn es um Such- und Bergungsaktionen geht", erläutert Marco von Euw, Dienstchef der Seepolizei Oberrieden. Er ist seit 23 Jahren Polizist und seit 2000 bei der Seepolizei in Oberrieden. Gegenwärtig sind 22 Männer und Frauen in fünf Gruppen während 24 Stunden im Schichtbetrieb im Einsatz. Drei Kaderfunktionäre und ein Betriebsmechaniker vervollständigen die Crew. Im Winter oder wenn gerade keine Notfälle eingehen, unterstützt die Seepolizei die Regionalpolizei bei deren Tätigkeiten.

Windspitzen von über 25 Knoten

Die Schifffahrtskontrolle ist beim Strassenverkehrsamt angesiedelt. 2500 Fischereiberechtigungen gibt es für den Zürichsee, rund 12 000 Boote, davon 4000 Segelboote und 6000 Motorboote dürfen den See befahren. Aufgrund von Meldungen der Meteorologischen Anstalt des Bundes in Zürich, aber auch nach Meldungen von Fischern oder Seerettern wird die Sturmwarnanlage durch die Seepolizei in Betrieb genommen: 40 Umdrehungen pro Minute bedeuten "Vorsicht" (Wetter im Auge behalten - Windspitzen von über 25 Knoten möglich) und 90 Umdrehungen warnen vor Sturm (kurzzeitig mit grosser Wahrscheinlichkeit Windspitzen von über 25 Knoten zu erwarten), wobei die Anlage während lang anhaltender Wetterereignisse nicht permanent läuft, sondern nach ein bis zwei Stunden wieder abgeschaltet wird. Besonders dann, aber auch ausserhalb der Schiffahrtssaison ist die Eigenverantwortlichkeit der Seebenutzer gefragt.

Suche in 300 Metern Tiefe

Seepolizisten durchlaufen erst eine Ausbildung als Polizist. Sie müssen gute Schwimmer und tauchtauglich sein. So darf psychischer Stress unter Wasser kein Problem darstellen.

Schifflände Herrliberg
Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg und die Seepolizei vereint zur kürzlich durchgeführten Generalversammlung des VVH (die Ortstafel mit den Wappenfarben wurde vom VVH 1980 der Gemeinde geschenkt). Seepolizei

Die Zusatzausbildung besteht im Segeln und Motorbootfahren sowie in der Handhabung aller technischen Einsatzgeräte. Diese werden meist selber gewartet. Spezielle Geräte ermöglichen eine Suche in 300 m Seetiefe. Zur Beseitigung von Gewässerverschmutzung werden Absauggeräte eingesetzt. Auch das Tauchen und das Führen von schweren Motorwagen gehören zum Ausbildungsprogramm eines Seepolizisten.

Mediation und Prävention

"Bei schönem Wetter fahren wir Motorboot, dann ist es ein Schoggi-Job", erzählt Marco von Euw. Die Kehrseite der Medaille: "In trübem Wasser den Grund nach einem Ertrunkenen abtasten". Auch Mediation gehört zum weitläufigen Tätigkeitsbereich der Seepolizei. So wurde etwa mit Wakeboarder und Ruderer unter Zuzug des Amtes für Naturschutz ein Versuchs-Modus ausgehandelt. Er garantiert, dass alle ihr Hobby ausüben können, ohne sich gegenseitig zu stören. Mit Broschüren macht die Seepolizei auf die vielen Gefahren im Wasser aufmerksam und gibt Verhaltensregeln heraus.

Uferzonen schützen

Ob die Eisfläche eines Sees für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann, liegt im Kompetenzbereich der Gemeinden.. Die Seepolizei gibt zweimal in der Woche ein Eisbulletin für die Medien heraus. Ein besonderes Anliegen der Seepolizei ist die Durchsetzung der Schifffahrtsvorschriften, da der Schutz der Uferzone von grosser Bedeutung ist. Von Thalwil an seeaufwärts wächst grossflächig Schilf entlang dem Ufer. An den Uferbereichen, wo kein oder wenig Schilf besteht, gibt es für die Wasservögel zu wenig Nistplätze, sodass sie in Wohnbereiche ausweichen. Marco von Euw: "Dann sammeln wir die Küken ein und setzen sie an geeigneter Stelle wieder aus".

* Antonia Baumann ist Vorstandsmitglied im Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg, zuständig für die Gruppe "Archiv".