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« zurück zur Übersicht erschienen am 22. März 2007 in der Zürichsee-Zeitung

Von der inneren Verbundenheit

Herrliberg: Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg (VVH) gedenkt Norma Dreiding

Als Norma Dreiding am 31. Januar 2007 starb, ist vielen Menschen klar geworden, dass mit ihr eine prägnante Persönlichkeit verloren ging, die einen Teil des Herrliberger Dorflebens ausgemacht hat.

Antonia Baumann*

Norma Dreiding wurde am 6. August 1934 geboren und wuchs in Erlenbach auf, zusammen mit einer Schwester und einem Bruder. Ihre Eltern Giovanni und Libera Bettinaglio vermittelten ihr liebevolle und bodenständige Werte. Libera führte später ein eigenes Restaurant in Gerra (Gambarogno/TI). Die Verbundenheit zum Tessin übertrug sich auch auf Norma. Später sollte die Familie Dreiding ein Haus in Vira (Gambarogno/TI) erstehen, wo Norma eine Keramikwerkstatt einrichtete.
Norma absolvierte in Glarus die Hauswirtschaftsschule und lernte Kinderbetreuerin. Das Jahr 1954 verbrachte sie als "Au Pair" bei zwei Familien in London. Mit 21 Jahren gründete sie zusammen mit André Dreiding eine Familie, wobei sie seinen beiden Kindern Karin und Eric, die damals 6 und 4 Jahre alt waren, eine zweite Mutter wurde. Bis 1960 blieb die Familie Dreiding in Küsnacht, lebte anschliessend in Erlenbach und zog 1969 in das nach Normas Plänen neu erbaute Haus an der Langackerstrasse 43 nach Herrliberg.

Zentrale Funktion

Norma Dreiding war eine einfühlsame Betreuerin und mütterliche Beraterin für die aus aller Welt stammenden Studierenden und Mitarbeitenden ihres Mannes André, der eine Professur für Organische Chemie an der Universität Zürich inne hielt. Vortragsreisen und Gastprofessuren erforderten zum Teil mehrmonatige Aufenthalte auf fast allen Kontinenten. Norma passte sich überall schnell an und wurde innert Kürze gewissermassen Bürgerin vor Ort.
In Hochschulkreisen war sie bekannt als grosszügige und charmante Gastgeberin, wobei sie die weltweiten Kontakte jahrzehntelang pflegte und sinnvolle Querverbindungen knüpfte. Für die Forschungsgruppe ihres Mannes organisierte sie jeweils die Frühlingsseminare in Sils-Maria. Mit ihrem schöpferischen Geist und ihrer unermüdlichen Tatkraft war sie nicht nur eine liebevolle Familienleiterin, sondern führte das weitläufige und anspruchsvolle "back office" ihres Mannes auf hervorragende Weise, was die Ausübung seiner extensiven wissenschaftlichen Tätigkeiten sehr förderte.
Die Forschungsgruppe wurde von André Dreiding nach individuellen und kreativen Gesichtspunkten geleitet. Dabei spielte auch das soziale Zusammenwirken eine bedeutende Rolle. Norma war der gesellschaftliche Mittelpunkt und trug mit ihrem grossen Einfühlungsvermögen und ihrer aufrechten Persönlichkeit wesentlich zum guten Teamgeist und damit zur Förderung der individuellen Qualitäten der Mitarbeitenden bei.

Künstlerische Talente

Daneben war es Norma Dreiding aber auch ein Bedürfnis, sich selber zu entwickeln. Es lag ihr viel daran, Schönheit schöpferisch zum Ausdruck zu bringen. Dabei liess sie sich auch durch Formen der Natur inspirieren. So setzte sie sich etwa mit der Symmetrie auseinander.
Ihr feinsinniger Geschmack und ihr ausgeprägter Sinn für die Aesthethik äusserten sich in vielen künstlerischen Tätigkeiten. Während verschiedener Perioden widmete sie sich dem Feinsticken und Seidenblumenbinden, dem Quilting und der Bauernmalerei sowie dem Töpfern.
In Küsnacht führte sie während einiger Jahre ein Seidenblumengeschäft. Ihre Hobbies ging sie sorgfältig an und experimentierte viel. Die verschiedenen Materialien interessierten sie, und fasziniert erforschte sie deren Zusammenwirken mit kreativen Ideen. Gleichzeitig war sie, gemeinsam mit ihrem Mann, von einer grossen Sammelleidenschaft beseelt. So entstanden über die Jahre hinweg etliche Sammlungen wie etwa mechanische Musikinstrumente, Waagen, Karaffen, Petrollampen, mathematische Rechenspiele, alte Rechenmaschinen, Bilder oder Schneckenhäuser mit einer seltenen Linksdrehung.
Daneben pflegte sie auch das Singen. So konnte es geschehen, dass sie im Kreise ihrer Freunde mit ihrer weichen Stimme Volkslieder vortrug, auf der Gitarre begleitet von ihrem Mann.

Herrliberger Wirkungskreis

In Herrliberg nahm Norma Dreiding von Anfang an Anteil am Dorfgeschehen. Bereits in den 1970er Jahren bildete sie sich mit grossem Einsatz zur Sanitäterin im Zivilschutz aus.
Ihr Engagement gegen die überrissenen Pläne des Gemeinderates zum Ausbau der Langackerstrasse führte sie in die neu gebildete Strassenkommission, wo sie von 1978 bis 1994 tätig war. Sie setzt sich darin mit gesundem Menschenverstand, aber auch mit wachsenden Sachkenntnissen für einen massvollen, quartiergerechten und fussgängerfreundlichen Ausbau des Herrliberger Strassen- und Wegnetzes ein.
Unter anderem dank ihrem Einsatz gewann die Bevölkerung der Gemeinde in Sachen Strassen und Verkehr wieder Vertrauen in die Gemeindebehörden.
Mit liebevollem Engagement erteilte Norma Dreiding Keramikkurse für Kleinkinder im Robinson-Zentrum und war jahrelang für die Galerie Vogtei tätig. Sie nahm mehrmals erfolgreich teil an den Ausstellungen "HerrlibergerInnen stellen aus" in der Galerie Vogtei.

VVH-Präsidentin Norma Dreiding in voller Aktion beim Organisieren des Herrliberger 1. August 2004, für den sie Bundesrat Christoph Blocher als Redner gewinnen konnte. (Archiv Maria Toth)

VVH-Präsidentin Norma Dreiding in voller Aktion beim Organisieren des Herrliberger 1. August 2004, für den sie Bundesrat Christoph Blocher als Redner gewinnen konnte. (Archiv Maria Toth)

Die ideale VVH-Präsidentin

Gleichzeitig kam das Interesse für die verschiedenen Tätigkeiten des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH) auf. 1991 stellte sie dem Dorfarchiv einen grossen Teil der Infrastruktur zur Verfügung und ermöglichte dadurch sein aktives Wirken. Seither erweiterte sie die ortshistorische Sammlung durch etliche Gegenstände und Exponate und vermittelte wertvolle Anregungen.
Ihre aufgeschlossene und herzliche Art sowie ihre umfassenden und sachkundigen Kenntnisse machten sie zur idealen VVH-Präsidentin (1997-2005). Bis zu ihrem Tode blieb sie Vizepräsidentin. Norma Dreiding festigte und verknüpfte die Tätigkeiten der einzelnen VVH-Gruppen, wobei ihr die Gruppen Natur, Dorfbild, Archiv, Kontakte und Herrliberger Kalender gleichermassen am Herzen lagen. Ihr Ideenreichtum äusserte sich etwa darin, Oberstufenschüler eine 1. August-Rede rappen zu lassen.
Norma Dreiding besass eine einfühlsame und gleichzeitig starke Persönlichkeit. Mit ihrem sympathischen Lächeln und ihrer grossen Toleranz und Hilfsbereitschaft erntete sie überall Liebe, Freundschaft und Respekt. Sie vertrat eine ethisch klar definierte Grundhaltung und verband diese mit einer für sie typischen fürsorglichen Herzenswärme.
Das aktive Mitwirken innerhalb der Gemeinde Herrliberg bedeutete Norma Dreiding viel. Sie baute sich dadurch einen eigenen, grossen Wirkungskreis auf, verbunden mit vielen Freundschaften und Kontakten. Mit ihrem unverwechselbaren Wesen bleibt sie ihren Freunden und Bekannten unvergessen.

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*Antonia Baumann ist Präsidentin des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH).