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« zurück zur Übersicht erschienen am 28. April 2009 in der Zürichsee-Zeitung

Wenn sich ein Fuchs aufs Sofa legt

Herrliberg: Verkehrs- und Verschönerungsverein widmet sich dem zutraulich gewordenen Wildtier

„Füchse im Dorf – was tun?“ Im Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg (VVH) gab dazu ein Fachmann die beste Antwort: Nicht füttern.

Antonia Baumann*

Füchse gehören seit langem zum Dorfbild der Seegemeinden. Dementsprechend sind sie im Wald nicht mehr oft anzutreffen. Max Straub, alt Jagd- und Fischerei-Inspektor des Kantons Zürich, informierte an der Generalversammlung des VVH (siehe Kasten) über das dörfliche Nebeneinanderleben mit dem Fuchs. Seine Quintessenz: Füttern von Füchsen verboten!
Der Fuchs ist eines der wenigen Raubtiere im Kanton Zürich, das aktiv in die Fauna eingreift. Er agiert gewissermassen als "Gesundheits-Polizist" im Tierreich und beseitigt oft Kadaver. Damit kommt dem Fuchs für eine ausgewogene Oekologie eine grosse Bedeutung zu. Ende der 1970er Jahre führte Tollwut zu einer massiven Reduktion des Fuchsbestandes. Etliche Tiere erkrankten oder verendeten. Heute hat sich der Bestand wieder erholt.
Der Fuchs verfügt über ein ausgezeichnetes Gehör und einen feinen Geschmackssinn. Als Allesfresser umfasst sein Nahrungsspektrum Mäuse, Vögel, Jungtiere, aber auch Zwetschgen, Trauben, Birnen und Kompost.

Schlaraffenland Herrliberg
Das Nahrungsspektrum im Dorf ist für die Füchse äusserst reichhaltig. Sie haben leichten Zugang zu Abfallsäcken und Kompost. Besonders profitieren sie von unbedarften Tierliebhabern, die im Freien Katzenfutter hinstellen – für den Fuchs ein wahrer Leckerbissen!
So haben sich in Herrliberg etwa 50 Füchse etabliert, wogegen im Wald nur noch etwa ein Dutzend beheimatet sind.
Der Fuchs ist ein äusserst anpassungsfähiges Tier. Durch seine Lernfähigkeit adaptiert er sich an die veränderten Umweltverhältnisse, woraus sich Stadt- und Dorffüchse entwickeln. Dabei gehen sie durchaus keck vor, warten im Siedlungsraum vor dem Fenster oder vor der Gartentüre, schlüpfen hinein und tun sich am Katzen- oder Hundefutter gütlich. Nicht selten legen sie sich anschliessend gemütlich auf Sofa, um dann gemeinsam mit den Katzen wieder ins Freie zu gelangen.

Falsche Tierliebe
Füchse sind fähig, sogar bei minus 10 Grad ihr Futter zu finden. Es ist deshalb falsch verstandene Tierliebe, wenn absichtlich draussen Futter für die lieben Füchse hingestellt wird. Im Gegenteil: Dadurch wird das Phänomen Dorf- und Stadtfüchse massiv verstärkt. So wurden etwa im Triemli Füchse in Schrebergärten gefüttert. Als die Besitzer in den Ferien weilten und sich andere Personen weigerten, die Füchse zu füttern, wurden sie kurzerhand gebissen.
In Herrliberg halten sich besonders viele Füchse auf. Sie sind sogar auf der Seestrasse anzutreffen. Dabei ergeben sich erstaunlich wenige Kollisionen mit Autos. Die Füchse bauen ihre Höhlen im Rossbachtobel oder Erlenbacher Tobel, aber auch im Bahn-Trassee. Auf dem Friedhof hinterlassen sie unliebsame Spuren. Nicht selten wird der Ruf nach dem Erschiessen von Füchsen laut, sowie von Dachsen. Dies ist im bewohnten Gebiet aber nicht ungefährlich. Deshalb gilt: Wenn weiter gefüttert wird, kann das Problem Dorffüchse nie gelöst werden!

Mit Füchsen nebeneinander, aber nicht miteinander leben. Damit wird die Zutraulichkeit nicht zum Dorfproblem. Foto Fuchs: www.andreasholgerklein.de
Mit Füchsen nebeneinander, aber nicht miteinander leben. Damit wird die Zutraulichkeit nicht zum Dorfproblem.
Foto Fuchs: Andreas Klein

Spielfreude
In Herrliberg wurden im vergangenen Winter auf einem einzelnen Grundstück 17 Füchse erlegt. Trotzdem konnte der Grundstückbesitzer kaum einen Unterschied bemerken – die Füchse spielen weiterhin mit über 60 zusammengetragenen Schuhen, die auf dem Terrain weiterhin überall verstreut herumliegen.
Das Abschiessen, wo möglich, wird aber nicht immer befürwortet. So werden auch Kastenfallen mit Köder aufgestellt. Jedoch nicht selten gehen Hauskatzen in die Fallen. Kastenfallen sollten nur bei Regen eingesetzt werden, wenn die Katzen nicht unterwegs sind.

Leben mit dem Fuchs
Das Miteinanderleben mit den Füchsen ist durchaus möglich, wenn einige elementare Regeln eingehalten werden. Grundsätzlich nicht mit den Füchsen spielen oder sie anfassen und vor allem: "Füttern verboten"!
Wenn alle Dorfbewohner an einem Strick ziehen, stellt sich der lernfähige Fuchs darauf ein. Dabei ist oberstes Gebot: Nicht füttern, nicht anfassen und nicht in die Wohnräume lassen. Abfallsäcke nicht bereits am Abend vorher auf die Strasse stellen, sondern erst kurz vor der Kehrrichtabfuhr. Komposthaufen sollen zugedeckt sein.
Es sei nicht möglich, durch quantitatives Erschiessen den Dorffuchsbestand nachhaltig zu reduzieren, erklärte Max Straub und appelierte: „Wir müssen lernen, mit diesen Wildtieren nebeneinander zu leben.“

Fuchsbau – was tun?

Falls sich auf dem Grundstück ein Fuchsbau befindet, sollten die Tiere vertrieben werden. Die Bauten dürfen aber nicht geschlossen werden, wenn Junge drinnen sind. Sie müssen bereits vorher "geleert" werden. Dies kann zwischen Juli bis Ende Januar dadurch erfolgen, dass frischer Kuhmist in die Höhle gelegt wird. Eine andere Methode besteht aus Karbid-Stein, der zusammen mit Wasser ein Gas entwickelt. Aber Vorsicht, es entwickelt sich Wärme und die Brandgefahr ist akut! Anschliessend kann der Fuchsbau geschlossen werden.
Im Februar sucht die Fähe ihre Höhle auf und entfernt sich nicht mehr.

Auch Dachse im Dorf

Heute ist die Tollwut europaweit eingeschränkt noch vorhanden. Der Fuchsbandwurm ist ebenfalls noch aktuell. Pro Jahr gibt es schweizweit etwa zehn Erkrankungen bei Menschen.
Neben den Füchsen kommen auch Dachse im Dorf Herrliberg vor. Im Gegensatz zum Fuchs deckt der Dachs seinen Kot zu. Sehr zum Ärger der Gartenbesitzer scharren Dachse Löcher in Zierrasen, auf der Suche nach Engerlingen. Als Prophylaxe sollten die Engerlinge bekämpft werden - ohne Engerlinge im Rasen graben die Dachse nicht.

Ein vielseitiger Verein für das ganze Dorf

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg (VVH ist ein Verein für Dorfanlässe, Natur und Geschichte. Vier Gruppen bilden seinen Kern.

Ortgeschichte
Die Gruppe Archiv befasst sich seit bald 20 Jahren mit dem Registrieren von Dokumenten und Objekten aus dem Raum Herrliberg. Das Produkt der Gruppe Kalender ist der längst zum Sammelobjekt gewordene „Herrliberger Kalender“, ein mit Unterstützung der Gemeinde in jeden Haushalt verteiltes Jahrheft mit liebevoll recherchierten Beiträgen zum Dorfgeschehen und zur Dorfgeschichte.

Dorf, Natur und Kontakte
Die Gruppe Dorfbild setzt sich ein für Sanierungen und Verbesserungen auf öffentlichem Grund. Anregungen, etwa zu Natur- und Wanderwegen, nimmt auch die Gruppe Natur entgegen, die zudem zweimal jährlich Tobelreinigungen durchführt. Die Gruppe Kontakte organisiert den 1. August und den Tobel-Samichlaus sowie die Vereinsanlässe. Sie zeichnet zudem für die Dezemberausstellung „Herrliberger Kunstwoche“ in der Galerie Vogtei.

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*Antonia Baumann ist Präsidentin des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH).