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« zurück zur Übersicht erschienen am 09. Februar 2001 in der Zürichsee-Zeitung

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Herrliberg: Das Dorfarchiv feiert seinen 10. Geburtstag

Das Archiv ist zum offiziellen Ort für Herrliberger Zeitzeugnisse geworden. Zudem zeichnet es für die Wechselausstellungen in der Vogtei. Das Dorfarchiv wird durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg (VVH) betreut.

Antonia Baumann*

Als der Herrliberger Gemeinderat 1991 den Dachraum des Wohnhauses Vogtei zum Zwecke eines Dorfarchivs zur Verfügung stellte, konnte niemand voraussehen, wie arbeitsintensiv sich das Unternehmen 'Archiv' gestalten würde. Es galt vorerst, sich einen Überblick zu verschaffen.

Edi Lanners, Initiator

Der Architekt und Künstler Edi Lanners (1929-1996) war überaus reich an schöpferischen Ideen und Tatkraft. So hat das Architekten-Team Edi und Ruth Lanners der Gemeinde Herrliberg mit der Restaurierung der Vogtei (Zehntenscheune und Wohnhaus) ein bleibendes Denkmal gesetzt. Während seiner 30-jährigen Vorstandstätigkeit im Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg (VVH) brachte Edi Lanners unzählige Anregungen ein. Die Schaffung der Galerie Vogtei und des Jahrhefts Herrliberger Kalender sind in hohem Masse sein Verdienst. Als Initiator der Vitrinen- Ausstellungen in der Zehntenscheune der Vogtei und in seiner Funktion als Dorfchronist erstaunte es nicht, dass er die Bildung eines Dorfarchivs anregte. Um dieses zu realisieren, musste der Dachraum im Wohnhaus Vogtei ausgebaut werden, was Edi Lanners 1991 mit viel Liebe und persönlichem Einsatz ausführte. Wenige Monate später war es soweit: das Provisorium konnte als Archiv eingerichtet werden.

Ein langer Weg

Wegbereiter des Dorfarchivs waren Rudolf Egli (Herrliberger Primarlehrer von 1908 bis 1952), dessen ornithologische Führungen der älteren Generation in lebhafter Erinnerung sind, und der Primarlehrer Robert Wegmann (siehe 'Zeitzeugen', ZSZ vom 6.2.2001). Fotomaterialien und Informationen betreffend die Gemeinde Herrliberg, welche Rudolf Egli zu sammeln begonnen hatte, führte Robert Wegmann weiter, der auch Dorfchronist und Vorstandsmitglied des VVH war. So entstand ein erster Grundstock des Archivs. Der VVH sammelt seit 30 Jahren Zeitzeugnisse aller Art, die aus Herrliberg stammen oder mit der Gemeinde in Zusammenhang stehen. Die Vielfalt von Werkzeugen, Fotos, Postkarten, Dokumenten, Bildern etc. ist heute Bestandteil des Archivs. Unter den Objekten und Werkzeugen finden wir archäologische Fragmente, historische Bauteile, hölzerne Wagenräder, Bettflaschen, alte Schraubzwingen, Mausefallen, Stalllaternen, Mehlsäcke und vieles andere mehr. Der Gemeindeschreiber Hans Zogg (1941-1999) hat mit der Schenkung seines 'Familienschatzes' wesentlich zu dieser Fülle beigetragen. Seine Frau Regina Zogg vermittelte uns dank ihres profunden Wissens viele alte Benennungen und Anwendungsbereiche.

Der Archivraum im Wohnhaus Vogtei mit (von links) Lotti Lamprecht (im Archiv seit 1996), Marie-Louise Hess (seit 1995) und Antonia Baumann (seit 1992). Marten Baumann
Der Archivraum im Wohnhaus Vogtei mit (von links) Lotti Lamprecht (im Archiv seit 1996), Marie-Louise Hess (seit 1995) und Antonia Baumann (seit 1992). Marten Baumann

Fritz Bopp, passionierter Fotograf

Ein grosser Teil der Fotosammlung im Archiv besteht aus Abzügen von 1500 alten Glasplatten, angefertigt durch Fritz Bopp (1888-1977), der ein hervorragender Landschaftsfotograf war. Fast täglich war er unterwegs und hielt während Jahrzehnten das Ortsbild mit seinen Weilern und die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit in ausdrucksstarken Bildern fest. Diese Sammlung ermöglichte unter anderem die Entstehung des Buches Bilder der Gemeinde Herrliberg (1981), welches als zweiter Band der Geschichte der Gemeinde Herrliberg (1980) entstand (Verlag Buchdruckerei Stäfa AG, bei der Gemeinderatskanzlei erhältlich). Im September 2000 widmete die Galerie Vogtei dem Fotografen Bopp eine Einzelausstellung.

Guckloch der Gemeinde

Die Vitrinen im Foyer der Vogtei (Zehntenscheune) wurden 1974 auf Initiative von Edi Lanners als grosszügig angelegte Fenster des Gemeindelebens konzipiert und bis zu seinem Tod durch ihn betreut. Seit 1998 führt die Gruppe Archiv die Ausstellungen weiter. Sie werden durch die Gemeinde Herrliberg unterstützt. Nach dem Thema 'Einst und Jetzt' ist gegenwärtig das Leben und Werk des berühmten Kupferstechers und Verlegers David Herrliberger zu sehen, der von 1697 bis 1777 in Zürich, Hegi und Maur lebte. Ohne die fundierte Mitarbeit von Fachkräften kann den gestalterischen und fotografischen Anforderungen einer Vitrinen-Ausstellung jedoch nicht Genüge getan werden. Zu diesem Zweck erweitert sich die Archivgruppe um zwei Mitglieder: den Meilemer Fotografen Roland Brändli und Heinz Meyer, Architekt und langjähriger Lehrer für Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule Zürich sowie ehemaliges Vorstandsmitglied des VVH. Seine lebhafte Teilnahme an den Belangen des Archivs sowie das Einbringen seines Wissens und seiner persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Gemeinde Herrliberg sind von unschätzbarem Wert.

Wohin?

So hat sich nun das Archiv nach 10 Jahren einen festen Platz innerhalb der Gemeinde Herrliberg gesichert. Es ist als Teil des VVH ein offizieller Ort von Herrliberger Kulturgut - deshalb finden hier auch Schenkungen von alten Gegenständen, Urkunden etc. einen würdigen und bleibenden Platz. Wer nicht weiss, wohin mit seinen Herrliberger Erinnerungsstücken, den bitten wir herzlich, uns zu kontaktieren. Das Archivmaterial reicht gegenwärtig noch nicht aus, um ein Dorfmuseum einzurichten. Unsere Objekte und unser Wissen bilden hingegen einen Grundstock für die Wechselausstellungen der Vogtei-Vitrinen. Wir bearbeiten gemeindebezogene Themen, wobei versucht wird, ein breites Publikum anzusprechen, ohne auf die Liebe zum Detail verzichten zu müssen. Die Ausstellungen sind bei den vielfältigen Anlässen zugänglich, wodurch ein Besuchersegment erreicht wird, das weit über die Gemeindegrenze hinaus geht.

Das Flaggschiff VVH

Der VVH hat sich der Notwendigkeit eines Archivs personell angepasst und eine Gruppe Archiv geschaffen. Lotti Lamprecht, Marie-Louise Hess und Antonia Baumann bemühen sich einmal wöchentlich darum, die vielen Objekte zu ordnen und zu registrieren. Das Archiv arbeitet eng mit dem Redaktionsteam des 'Herrliberger Kalenders' zusammen und unterhält auch Kontakte zu anderen Dorfarchiven und Museen.
Ein besonderer Dank sei hier Pierre Weber ausgesprochen (bekannt durch seine monatlichen Sternkarten in der ZSZ, siehe auch 'Rätsel Schalenstein gelöst?' im Herrliberger Kalender 2001). Als ehemaliger Marketingberater und Gemeinderat sowie früheres VVH-Vorstandsmitglied ist uns sein Wissen um die Gemeinde Herrliberg und seine tatkräftige Unterstützung unersetzlich.

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Wer sich für die Tätigkeit des Archivs interessiert oder eine Anfrage hat, sei eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir veranstalten auch Führungen für Schulklassen (Archiv und Vitrinen). Ein besonderes Anliegen ist es uns, den vielen Mitbürgern für die bereitwilligen Auskünfte zu danken, ohne die wir unsere Archivarbeit nicht ausüben könnten.

* Antonia Baumann ist Vorstandsmitglied im Verkehrs- und Verschönerungsverein Herrliberg, zuständig für die Gruppe "Archiv".