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« zurück zur Übersicht erschienen am 23. April 2008 in der Zürichsee-Zeitung

Bäumiges Herrliberg

Herrliberg: Generalversammlung des VVH beeindruckt

Alte Bäume sind etwas Besonderes. Das zeigte ein Film von Wolfgang Nübel an der GV des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVH).

Antonia Baumann*

Die Filmvorführung von Wolfgang Nübel über "Bäume im Wandel der Jahreszeiten" war zentraler Bestandteil der diesjährigen Generalversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH). Nach kurz gefassten Voten wurden die über 40 Anwesenden vom Inhalt und Charme des Films gefesselt.

Imposante Bäume
Herrliberg ist nicht die einzige Seegemeinde, in der Bäume markante Landschaftspunkte darstellen. Da sich aber das Gemeindegebiet auf fünf geologischen Höhen-Terrassen ausbreitet, ist jede Geländestufe geprägt von einem eigenen landschaftlichen Reiz. Bäume spielen dabei eine herausragende Rolle und setzen, trotz reger Bautätigkeit, eindrückliche Zeichen.
Bereits entlang der Seestrasse sind die beiden Mammutbäume nicht zu übersehen. Mehrere Blutbuchen stehen auf dem Schipfareal. Die nächste Geländestufe hält, neben verschiedenen Atlaszedern und Pappeln, u.a. eine 30 m hohe Silberpappel im Untergrüt bereit. Auf der Höhe von Wetzwil steht, mitten auf der Abzweigung zur Kittenmühle, eine Linde, so auch oberhalb der Kirche Wetzwil an prominenter Aussichtsstelle sowie im Wetzwiler Zentrum. Und auch oberhalb der Blüemlisalp kann eine imposante Linde bewundert werden. Sie steht auf einem der schönsten Aussichtspunkte von Herrliberg.

Obstbäume auf der Breiti-Wiese
Die Geländeterrasse auf der Höhe der Vogtei erfuhr anfangs 1960er Jahre eine grosse Veränderung: Die grosse Breiti-Wiese wurde überbaut. Auf ihr standen hauptsächlich hochstämmige Obstbäume. Besonders im Frühling bot diese Fläche mit den blühenden Bäumen ein reizvolles Bild, mit dem alten Gebäudekomplex Vogtei im Hintergrund.
Als die Bagger auffuhren und als Erstes die Bäume fielen, fiel für manchen Herrliberger gleichzeitig eine idyllische Welt zusammen. Einmal mehr bewahrheiteten sich die Zeilen eines unbekannten Verfassers: "Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie".
An Stelle der Hochstämmer entstanden auf der Breiti-Wiese noch höhere Wohnblöcke. Kleine Wege dazwischen erinnern nur vage an die Zeit, als die Ebene noch auf einem schmalen Wiesenpfad diagonal durchlaufen werden konnte.

Einsamer Birnbaum
Als einziger Zeitzeuge der vergangenen Ära steht heute noch ein über 100-jähriger, hochstämmiger Birnbaum. Sein Stammumfang misst über vier Meter. Leider hat er durch einen Blitzschlag sehr gelitten.
Wolfgang Nübel, Fernmeldeingenieur und Videoamateur, hat einen eindrücklichen Film kreiert, worin auch auf das Jahrheft Herrliberger Kalender 2002 mit dem ausführlichen Artikel über Herrliberger Bäume von Christoph Vollenweider verwiesen wird. Nach einer Reflektion über den Wandel der Zeit und einem Streifzug zu einigen markanten Bäumen, u.a. auch zur Linde vor dem alten Primarschulhaus, fokussiert der Film hauptsächlich auf den übrig gebliebenen Birnbaum in der Breiti, am Rande der Pausenwiese und vor dem Mehrfamilienhaus mit Arztpraxis. Dort stand früher eine Scheune. Damals wurde aus den Äpfeln und Birnen der Breiti-Wiese noch sauren Most gepresst.

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Der über 100-jährige Breiti-Birnbaum, am frühen Mittag. (Antonia Baumann)
Der über 100-jährige Breiti-Birnbaum, am frühen Mittag. (Antonia Baumann)

Ein Baum für alle Fälle
Vom Balkon des Mehrfamilienhauses aus hatte Wolfgang Nübel eine besonders gute Sicht auf diesen letzten Birnbaum. Er filmte ihn während allen Jahreszeiten. Zu sehen ist der Birnbaum mit wunderschönen Sonnenuntergängen, im Regen, in der Abendröte, mit Mond, mit einem Himmel voller Ballone, mit 1. August-Feuerwerk und im Gewitter. Sehr schöne Aufnahmen bestehen vom Fallobst mit Fliegen und Schmetterlingen. Aber auch Abendstimmungen, das Eindunkeln und die farbigen Herbstblätter fehlen nicht. Mehrere Schneeidyllen und das fröhliche Treiben der schlittelnden Kinder beleben den Film zusätzlich. Im September 2000 fiel ein grosser Ast ab, worauf Baumaschinen auffuhren. Die Angst, jetzt könnte der Birnbaum gefällt werden, wich, als klar wurde, dass eine Schönheitskur anstand.
Aufgelockert wird der Film durch Szenen mit dem drehorgelnden Gemeindearbeiter Charly Ochsner und durch die besonders gelungene musikalische Untermalung mit Auszügen aus der Schweizer Symphonie von Felix Mendelssohn.

Ein Verein für Natur, Gegenwart und Geschichte

Dieses Jahr besuchten über 40 Personen die GV vom 27. März 2008 mit anschliessender Filmvorführung im Gartensaal der Vogtei. Dabei berichteten die VVH-Gruppen über ihre verschiedenen Tätigkeiten des vergangenen Jahres und gaben einen Ausblick.

Dorf, Natur und Kontakte
Die Gruppe Dorfbild setzt sich ein für Sanierungen und Verbesserungen auf öffentlichem Grund. In Planung begriffen ist ein neues Set aktueller Postkarten der Gemeinde Herrliberg. Anregungen, etwa zu Natur- und Wanderwegen, nimmt auch die Gruppe Natur entgegen, die zudem zweimal jährlich Tobelreinigungen durchführt. Für den Waldlehrpfad konnten geeignete Büsche und Bäume gepflanzt werden.
Die Gruppe Kontakte kümmert sich um die Organisation des 1. August und Tobel-Samichlaus sowie um die Vereinsanlässe. Sie vertritt den VVH beim Neuzuzügeranlass und organisiert zudem die Dezemberausstellung "Herrliberger Kunstwoche" in der Galerie Vogtei.

Schwerpunkt Ortgeschichte
Die Gruppe Archiv befasst sich weiterhin mit dem Registrieren von Dokumenten und Objekten aus dem Raum Herrliberg. Das Produkt der Gruppe Kalender ist der längst zum Sammelobjekt gewordene "Herrliberger Kalender", ein mit Unterstützung der Gemeinde in jeden Haushalt verteiltes Jahrheft mit liebevoll recherchierten Beiträgen zum Dorfgeschehen und zur Dorfgeschichte.

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*Antonia Baumann ist Präsidentin des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH).