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« zurück zur Übersicht erschienen am 28. April 2005 in der Zürichsee-Zeitung

Von Wasserdampf und Grünzeug

Herrliberg: Der Verkehrs- und Verschönerungsverein hat sich mit dem Abfallwesen beschäftigt

Adrian Aebersold, Leiter Produkte und Verkauf der Kehrichtheizkraftwerke ERZ Entsorgung + Recycling Zürich, referierte über die Abfallentsorgung in Herrliberg. Erklärt hat er auch, warum im Herrliberger Abfallwesen ganz besondere Verhältnisse herrschen.

Antonia Baumann*

Die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Herrliberg produzieren pro Jahr im Durchschnitt 141 Kilogramm Kehricht. In der kantonalen Abfallstatistik liegt Herrliberg damit im mittleren Bereich der rechtsufrigen Seegemeinden (Kanton Zürich 182 kg). Der Grüngutanfall beläuft sich auf 68 Kilogramm, was im Vergleich etwa zu Zumikon (157 kg) relativ wenig ist.

Im Mittelfeld liegen die Herrliberger Einwohner mit 79 kg Altpapier, 36 kg Verpackungsglas und 8 kg Metall. Die so genannte Recyclingrate von 58 Prozent (Summe Kehricht dividiert durch Einwohnerzahl) liegt in Herrliberg höher als im kantonalen Durchschnitt (49 Prozent). Solche Zahlen kamen die Mitglieder des Verkehrs- und Verschönerungsvereins aus dem Mund von Adrian Aebersold, Leiter Produkte und Verkauf bei Entsorgung und Recycling (ERZ), zu hören. Aebersold war vom Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins an die Generalversammlung vom 31. März 2005 eingeladen worden.

Spitzenreiter bei der Sackgebühr

Mit einer Sackgebühr von Fr. 3.40 Sackgebühr für einen 35-Liter Sack steht Herrliberg vergleichsweise an einsamer Spitze. So beträgt diese etwa in Erlenbach nur Fr. 1.60. Jedoch ist Herrliberg die einzige Gemeinde im Kanton, die keine Grundgebühren für die Abfallentsorgung erhebt. Der Wunsch, dass eine hohe Sackgebühr auch zu einer hohen Recyclingrate führen möge, wird dadurch entkräftet, dass die Gemeinde Erlenbach trotz niedriger Sackgebühr eine gleich hohe Recyclingrate besitzt, wie Adrian Aebersold ausführte. Im Kehricht befindet sich immer noch je 25 Prozent Papier und kompostierbare Abfälle.

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Die Gemeinde Herrliberg erhebt keine Grundgebühr für die Abfallentsorgung, deshalb ist der Ansatz der Sackgebühr vergleichsweise hoch. Adrian Aebersold
Die Gemeinde Herrliberg erhebt keine Grundgebühr für die Abfallentsorgung, deshalb ist der Ansatz der Sackgebühr vergleichsweise hoch. Adrian Aebersold

"Output" wird sortiert

Der Herrliberger Kehricht wird nach Hinwil zur Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (KEZO) gebracht. Dies ist ein Zweckverband mit 39 Verbandsgemeinden. Grundsätzlich wird die Kehrichtverwertung während 24 Stunden betrieben. Als Endprodukte entstehen Wasserdampf und Schlacke. Eine Tonne Kehricht benötigt 10 Tonnen Luft, 1,35 Tonnen Wasser und 11 Kilogramm Betriebsstoffe. Der Output besteht aus 11,1 t Wasserdampf, 218 kg Schlacke (entspricht rund 20 Prozent der Abfallmenge) und 32 kg Filterstaub. Sowohl die Schlacke als auch der Filterstaub werden sodann nach Metallen sortiert, damit diese recycliert werden können.

Geringe Emissionswerte

Die Luftemisionswerte der Kehrichtsheizkraftwerke liegen massiv unter den gesetzlichen Vorgaben. Die gefährlichen Dioxine und Furane entstehen vor allem durch Verbrennung von Abfällen in Cheminées! Laut Aebersold produzieren die 1-2 Prozent illegal verbrannten Abfälle in einem Jahr schweizweit mehr als doppelt so viel Dioxine und Furane als alle Kehricht- und Sondermüllverbrennungsanlagen zusammen.

Papierfabrik in der Nähe erwünscht

Dank der Fernwärme- und Stromerzeugung in den Kehrichtheizkraftwerken kann bis zur Hälfte des Energieinhaltes von Abfall, welcher im Schnitt 3'400 kWh pro Tonne beträgt, energetisch verwertet werden. Da zum Beispiel Papierfabriken viel und gleichmässig Energie benötigen, würde es Sinn machen, wenn Kehrichtverbrennungsanlagen und Papierfabriken nebeneinander stünden. Die Papierfabrik Utzenstorf/SO verwertet jährlich 200'000 Tonnen Altpapier. Dabei wird dieses von Druckfarben befreit, aufgelöst und neues Zeitungspapier hergestellt (z.B. für den Tages-Anzeiger).

Grünzeug und Papier

Neu dürfen seit 2005 auch Küchenabfälle mit dem Gartenabraum entsorgt werden. Der Abraum erfolgt wöchentlich. Die Verwertung des Grünguts geschieht in der Gäranlage "Chrüzeln" der Firma Wiedag in Oetwil am See. Aus dem Gärgas wird über Gasmotoren Strom und Gärkompost produziert. Die Verwertung des Gartenabraums wird durch Grünmarken finanziert. Beim Karton wird in der Firma Schneider, Uetikon, erst eine Volumenverkleinerung vorgenommen. Dann wird der Karton als Rohstoff für Wellpappe vermarktet.

Hohe Rücklaufquote bei Glas

Beim Verpackungsglas gibt es schweizweit eine Rücklaufquote von 96 Prozent. Von den über 300'000 Tonnen gesammelten Glas wird etwa die Hälfte exportiert. Der Rest geht hälftig in die inländische Glasproduktion (Vetropack in St-Prex) oder wird Recyclingzwecken zugeführt. Seit 2 Jahren wird auf jede Flasche eine vorgezogene Entsorgungsgebühr von 2-6 Rappen erhoben. Den Gemeinden wird für die Sammelinfrastrukturen eine Vergütung entrichtet.

Dosen werden nach Nichteisen- und Eisenmetallen sortiert und das Dosenblech entzinnt. Zinn, Stahl und Aluminium gelangen wieder in den Rohstoffkreislauf. Auf jeder Dose wird eine vorgezogene Entsorgungsgebühr von 1 Rappen erhoben, und die Gemeinden werden für die Sammelinfrastrukturen entschädigt.

Fazit für Herrliberg

Die Abfallentsorgung in Herrliberg entspricht laut Adrian Aebersold den zeitgemässen Vorgaben und steht auf einem hohen Standard. Trotz hoher Gebühren für Abfallmarken ergibt sich aber in der Gemeinde kein überragendes Recyclingverhalten. Deshalb wäre eine marktgerechte Anpassung der Abfallgebühren wünschenswert. Adrian Aebersold empfiehlt, die Fixkosten über eine Grundgebühr und die variablen Kosten durch Abfallmarken abzudecken. Neben der Grundgebühr müsste die gelbe Marke für einen 35-Liter Abfallsack etwa bei Fr. 1.80 angesetzt werden.

Die Vergangenheit lebendig bleiben lassen

Herrliberg: Das breite Tätigkeitsfeld des Verkehrs- und Verschönerungsvereins

Die verschiedenen Arbeitsgruppen des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH) decken mit ihren Aktivitäten ein breites Tätigkeitsfeld ab. Engagierte Neumitglieder sind willkommen.

Die Gruppe Kontakte kümmert sich um die Organisation des 1. August-Anlasses, um den Tobel-Samichlaus sowie um die Vereinsanlässe. Sie vertritt den VVH beim Neuzuzügeranlass und organisiert zudem die Dezemberausstellung "Herrliberger/-innen stellen aus" in der Galerie Vogtei. Die Gruppe Dorfbild ist offen für Vorschläge betreffend Sanierungen und Verbesserungen auf öffentlichem Grund. Anregungen, etwa zu Natur- und Wanderwegen, nimmt auch die Gruppe Natur entgegen, die zudem zweimal jährlich Tobelreinigungen durchführt.
Dorfgeschichte und "oral history" Das Produkt der Gruppe Kalender ist der längst zum Sammelobjekt gewordene "Herrliberger Kalender", ein mit Unterstützung der Gemeinde in jeden Haushalt verteiltes Jahrheft mit liebevoll recherchierten Beiträgen zum Dorfgeschehen und zur Dorfgeschichte. Die Gruppe Archiv befasst sich mit dem Registrieren von Dokumenten und Objekten aus dem Raum Herrliberg und hat unter dem Thema "oral history" Interviews mit 28 Herrlibergerinnen und Herrlibergern durchgeführt. In diesem Zusammenhang ist auch ein Videofilm mit einer Live-Aufzeichnung von drei Gruppengesprächen entstanden. Die Archivgruppe zeichnet zudem seit 1998 für die Vitrinen-Ausstellungen in der Zehntenscheune der Vogtei. Nach "Einst und Jetzt", "David Herrliberger" und "Naturnetz Pfannenstiel" ist die gegenwärtige Ausstellung dem Thema "Haushalten vor 80 Jahren" gewidmet.

Aktive gesucht:
Damit das breit gefächerte Tätigkeitsfeld des Verkehrs- und Verschönerungsvereins weiterhin angeboten werden kann, sucht der Vorstand dringend Mitwirkende, die bereit sind, sich zu engagieren. Kontakt bei Antonia Baumann, 044 915 2726. (ab)

Der VVH trauert

Herrliberg: Am 19. April 2005 ist Rolf Limburg verstorben. Er war langjähriges Mitglied des Verkehrs- und Verschönerungsvereins und engagierte sich seit über 30 Jahren für die verschiedensten Vereinsbelange. 1978-80 präsidierte er den VVH. Als erfolgreicher Architekt, der in Herrliberg mehrere Gebäude realisierte, sowie als engagierter Verfechter eines intakten Landschaftsbildes (seit 1995 war er auch im Vorstand des Zürichsee Landschaftsschutzes) sind dem VVH seine unzähligen Ideen und Anregungen besonders im Bereich Dorfbild zugeflossen. Es war Rolf Limburg ein grosses Anliegen, ein Gleichgewicht zwischen der Freihaltung von bestehenden Grünflächen und der Erweiterung des Siedlungsgebietes zu finden. Dabei lag ihm der Erhalt von schützenswerten Gebäuden im Dorf besonders am Herzen. Der VVH wird Rolf Limburgs Engagement und seine wertvollen Bereicherungen sehr vermissen. (ab)

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*Antonia Baumann ist Präsidentin des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Herrliberg (VVH).